Gesellschaft

Das Wichtigste in Kürze

Motivation: Besseres Verständnis der sozialen Umgebung von Stauräumen und den damit einhergehenden Konfliktpotentialen.

Novum: Die explizite Analyse und Verknüpfung der ingenieurs-, natur- und sozialwissenschaftlichen Belange in Bezug auf den – aus hydrogeographischer Sicht – Sonderfall Speichermanagement

Strategie: Einsatz und Adaption heterogener Methoden aus verschiedenen Disziplinen zur Identifikation und Analyse jener Faktoren, die das soziale Umfeld der Stauräume ausgestalten und prägen. Beachtung verschiedener Dimensionen: qualitativ-quantitative Achse, Zeitachse, holistisch-exemplarische Achse

Methoden: Konstellationsanalyse, Composite Programming, Kartierung, Experteninterviews, Umfragen

Zielsetzung: Entwicklung eines Analyserahmens als Grundlage für 1) verbesserte Kommunikation zwischen den Akteuren und 2) Konfliktmediation.

 

  

CHARM_Maennchen

(A) Motivation. Weltweit dienen Talsperren und Stauräume u. a. der Wasser- und Energieversorgung, dem Hochwasserrückhalt und der Naherholung. Ihre Bedeutung wird aufgrund des Klimawandels und des globalen Bevölkerungswachstums weiter zunehmen. Eine nachhaltige Bewirtschaftung von Stauhaltungen stellt dabei in vielerlei Hinsicht eine große Herausforderung für die Gesellschaft dar.

Das Stauraummanagement birgt das Risiko von Reibungen hinsichtlich der heterogenen Interessen von betroffenen Akteuren. Aktuelle Beispiele in Deutschland ebenso wie im globalen Vergleich zeigen, dass die Mechanismen im Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Interessen noch nicht weit genug verstanden sind, um Konflikte effektiv zu vermeiden oder zu vermindern (Konfliktmitigation). Daher besitzt ein Management, das alle Faktoren als vernetzt betrachtet, große Bedeutung hinsichtlich nachhaltiger Speicherbewirtschaftung.

(B) Ziele. Die gesellschaftlichen Implikationen und Rahmenbedingungen von Stauraumsystemen werden auf verschiedenen Ebenen analysiert, um eine Basis für integrierte und vernetzte Managementkonzepte entwickeln zu können. Die transdisziplinäre Aufdeckung von Wirkpfaden, die zu Interessenskonflikten geführt haben oder das Potenzial dazu aufweisen, soll über exemplarische Detailstudien in einen holistischen und übertragbaren Ansatz überführt werden können. Somit wird ein nachhaltiges, integriertes Speichermanagement ermöglicht.

(C) Methoden. Zur Entwicklung des Analyserahmens sind verschiedene Ebenen zu berücksichtigen und entsprechend heterogene wissenschaftliche Methoden einzusetzen. Die Evaluierung des Einzugsgebietes und dabei insbesondere der Ansprüche von aktiven und passiven Akteuren an das System stellt einen ersten Arbeitsschritt dar. Hierzu dienen arrivierte Methoden der Geographie und Kartographie: Fernerkundung, Begehung und GIS-Kartierung, die durch Experteninterviews und Befragungen zu ergänzen sind. Die transdisziplinäre Methode der Konstellationsanalyse visualisiert die Verbindungen zwischen den einzelnen Elementen des Systems: Akteuren, natürlichen, technischen, abstrakten und hybriden Einheiten.  Naturräumliche und soziale Faktoren sowie Aspekte der Steuerung von Stauräumen werden dabei also nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit den verschiedenen Akteuren und Stakeholdern betrachtet und in ihren Wirkungsmustern analysiert. Zunächst wird im Rahmen ausgewählter Stauräume den dortigen lokalen Verflechtungen Rechnung getragen und sind jene Faktoren zu erheben, deren Übertragbarkeit auf Stauräume in einer Vergleichsebene möglich und aussichtsreich erscheinen. Hierzu wird eine Vergleichsmatrix erstellt.  

Zudem stehen die Dynamiken gesellschaftlicher Prozesse und die Frage der Risikowahrnehmung im Fokus, so dass auch diskursanalytische Verfahren zur Anwendung kommen und der historischen Komponente Rechnung getragen wird. Als Instrument einer avisierten Vergleichbarkeit und zur Nutzung als einer künftigen Konfliktmitigationsbasis wird die Methode des Composite Programming (aus dem Spektrum der Multikriterien-Entscheidungsanalysen, MCDA) adaptiert und modifiziert, um die relevanten Konfliktindikatoren zu identifizieren und zu quantifizieren.

(D) Zielsetzung. Die ermittelten Daten werden in die Entwicklung eines vernetzten und integrierten Managementkonzeptes eingehen. Dieses soll in Zukunft zur verbesserten Kommunikation zwischen Stakeholdern und damit zur Konfliktmitigation beitragen. Zudem soll hierfür eine CRE-Plattform (Cooperative Research Environment) vorbereitet werden.